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Bundestagswahl 2005: (Vorläufiges) Amtliches Endergebnis


Bundestagswahlen sind seit 1949 ein fester Bestandteil deutscher demokratie. Deshalb ist es für mich immer enttäuschend, wenn Wahlberechtigte von ihrem Recht auf Mitbestimmung nicht Gebrauch machen, sich dann aber über die Politiker beschweren. Auch wenn Wahlbeobachter für 2005 eine Wahlbeteiligung von über 80 % prognostiziert hatten, wurde dieses Ziel nicht erreicht: Lediglich 77,7 % gaben ihre Stimme ab. Seit 1949 ergibt sich daraus folgendes Verhältnisdiagramm:

Wahlbeteilung seit 1949



Im Vergleich zu 2002 mussten sowohl CDU/CSU als auch SPD ordentlich Prozente abgeben. Gut ein Viertel der Wähler entschieden sich für die kleineren Parteien. Dabei kann Die Linke.PDS seit 1998 erstmals wieder mit Fraktionsstatus in den 16. Bundestag einziehen. Petra Pau und Gesine Lötzsch waren zuvor 2002 mit Direktmandat eingezogen. So wie es Links gibt, gibt es auch Rechts: Die unter andere Parteien aufgeführte NDP erzielte 1,6 %, die Republikaner 0,6 % der Stimmen. Verglichen mit 2002 sieht das vorläufige amtliche Endergebnis so aus:

Endergebnis 2005 Sitzverteilung 2005 Endergebnis 2002 Sitzverteilung 2002
Christlich demokratische Union Deutschlands (CDU) Christlich Soziale Union Deutschlands (CSU) 35,2 % 225 38,5 % 248
Freie demokratische Partei Deutschlands (FDP) 9,8 % 61 7,4 % 47
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 34,3 % 222 38,5 % 251
Bündnis 90/Die Grünen 8,1 % 51 8,6 % 55
Die Linke.PDS 8,7 % 54 4,0 % 2

Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis gibt es, neben den 598 Abgeordnetensitzen nach Bundeswahlgesetz, 15 Überhangmandate, die sich wie folgt auf die Parteien verteilen:

SPD: 9, davon
o 1 in Hamburg
o 3 in Brandenburg
o 4 in Sachsen-Anhalt
o 1 im Saarland

CDU: 6, davon
o 3 in Sachsen
o 3 in Baden-Württemberg

und damit den 16. Bundestag aus 613 Sitzen bilden. Grafisch sieht das nun so aus:

Sitzverteilung des 16. Bundestag


Daraus ergeben sich die möglichen Koalitionsvarianten:

- Die große Koalition zwischen Union und SPD mit 447 Sitzen, wobei Gerhard Schröder (SPD) auch weiterhin die Regierungsführung als Kanzler übernehmen will. Er begründet seinen Anspruch daraus, dass die SPD (34,3 %) zur stärksten Partei gewählt wurde, und die Union aus zwei Parteien - CDU (27,8 %) und CSU (7,4 %) gebildet wird. Angela Merkel (CDU) sieht das nicht so: Ihrer Meinung nach bildet die Union die größte Fraktion und hat damit den Regierungsauftrag erhalten.

- Die Ampel-Koalition zwischen SPD, B90/Die Grünen und FDP mit 334 Sitzen. Guido Westerwelle (FDP) hat aber bereits mit Parteitagbeschluss Sondierungsgespräche zur Koalitionsbildung abgelehnt.

- Die Jamaika-Koalition in den Farben der Landesflagge Schwarz (Union), Gelb (FDP) und Grün (B90/Die Grünen) mit 337 Sitzen. Unwahrscheinlichste Koalition. Joschka Fischer hat in dieser Koalition-Konstellation bereits seinen Verzicht auf die führende Fraktionsposition angekündigt.

- Und die Linken wollen, wie vor der Wahl bereits angekündigt, in die Opposition. Nebenbei: Sondierungsgespräche mit ihnen zur Koalitionsbildung lehnen die anderen Parteien ab.


Am 2. Oktober 2005 wählten die 160er, der Wahlkreis Dresden I, in Nachwahl. Ein historisches Datum, denn genau vor 15 Jahren war es der letzte Tag der Deutschen demokratischen Republik (DDR) vor der Wiedervereinigung Deutschlands. Die Nachwahl ist wegen des plötzlichen Todes der NPD-Direktkandidatin Kerstin Lorenz notwendig geworden. Bereits abgegebene Briefwahlstimmen wurden für ungültig erklärt und vernichtet. In der Geschichte der Bundesrepublik hat es Bundestagsnachwahlen bislang zweimal gegeben: 1961 und 1965, was aber in beiden Fällen keinen Einfluss auf die parteipolitische Zusammensetzung des Bundestages hatte. Auch 2005 hatte die Nachwahl keinen Einfluss auf die Regierungsbildung. Lediglich die Sitzverteilung hat sich geändert: Die CDU/CSU-Fraktion hat statt 225 jetzt 226 Sitze inne. Angela Merkel wurde am 22. November 2005 zur ersten deutschen Bundeskanzlerin gewählt und regiert seitdem in großer Koalition zwischen Union und SPD.


 


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