Ludwig Erhard: US-Wirtschaftsberater (1)
Nach
Schulbesuch und kaufmännischer Lehre trat Erhard als Einzelhandelskaufmann
in das väterliche Textilgeschäft ein. Als Artilleriesoldat wurde er
im Ersten Weltkrieg so schwer verwundet, dass er seinen Beruf nicht
mehr ausüben konnte. Erhard begann ein Studium der Wirtschaftswissenschaften
und der Soziologie, zunächst an der Handelshochschule in Nürnberg, dann
an der Universität Frankfurt/Main. 1929 promovierte er zum Doktor der
Wirtschaftswissenschaften bei Prof. Dr. Franz Oppenheimer.Nach seinem Studium wurde Erhard wissenschaftlicher Assistent, bald danach stellvertretender Leiter am Institut für Wirtschaftsbeobachtung der deutschen Fertigware in Nürnberg. An diesem Institut erfüllte Erhard vielfältige Aufgaben: Er war verantwortlich für die Herausgabe der monatlichen Verbandszeitschrift, die sich in einem beachtenswerten wirtschaftspolitischen Teil mit aktuellen Fragen der praktischen Wirtschaftspolitik beschäftigte; er organisierte Tagungen, zu denen er namhafte Persönlichkeiten aus ganz Deutschland einlud, daneben förderte er wissenschaftliche Arbeiten zu neu aufkommenden Fragestellungen und grundsätzlichen wirtschaftspolitischen Problemen.
Aufgrund seiner schweren Verwundung im Ersten Weltkrieg (1918 – 1922) war Erhard während des Zweiten Weltkriegs (1939 – 1945) weder für den aktiven Kriegsdienst noch für Einsätze in der Kriegsproduktion tauglich. Umso mehr sah er es als seine Aufgabe an, die Grundlagen für den Aufbau einer Friedensordnung nach Abschluss des Kriegs gedanklich vorzubereiten. Solche Forschungsarbeiten waren im Dritten Reich verboten: Deutschland befand sich im „totalen Krieg. Erhards Überlegungen wurden bekannt. Er bekam Schwierigkeiten, verlor 1942 seine Anstellung und musste selbständig weiterarbeiten. Unter anderem stellte er 1944 eine Denkschrift „Kriegsfinanzierung und Schuldenkonsolidierung fertig, die in Kreisen des Widerstands gegen den Nationalsozialismus als Grundlage für den Wiederaufbau angesehen wurde.
Nach dem Krieg war Erhard als Wirtschaftsberater der US-Militärregierung, dann ab Oktober 1945 als Wirtschaftsminister in Bayern eingesetzt. Die Amis nutzten so die Kenntnisse des politisch unbelasteten Wirtschaftssachverständigen Ludwig Erhard. Zwei Jahre später wurde er in die Sonderstelle Geld und Kredit berufen und zu deren Vorsitzendem gewählt. In dieser streng geheim tagenden deutschen Expertengruppe wurde die Währungsreform vorbereitet. Die Universität München verpflichtete ihn im November 1947 als Honorarprofessor. Bereits in dieser Funktion als Direktor der Verwaltung für Wirtschaft der gesamten westlichen Besatzungszonen brachte er die „Soziale Marktwirtschaft” auf den Weg und erklärte mit Einführung der D-Mark am 20. Juni 1948 die Planwirtschaft kurzerhand für beendet. Erhard verband diese Geldreform mit einer umfassenden Wirtschaftsreform: Mit weitgehender Aufhebung von Bewirtschaftungen und Beseitigung zahlreicher Preisbindungen. Das war ein außerordentlich mutiger Schritt, denn keine deutsche Stelle war zu solchen grundsätzlichen Veränderungen der wirtschaftlichen Ordnung im Besatzungsgebiet berechtigt. Erhards Reform erwies sich schnell als großer Erfolg. Auch das Ausland bewunderte Erhards Sachverstand und zeitweilig übernahm er auch das Amt des deutschen Gouverneurs der Weltbank.
Im
Frühjahr 1935 zog er mit seiner Familie nach Rhöndorf. Er bewohnte ein
gemietetes Haus, bevor er - im Dezember 1937 - in den Neubau am Zennigsweg
8 einziehen konnte. Rhöndorf, das er aus früheren Besuchen kannte, bedeutete
für den aus Köln vertriebenen Konrad Adenauer zunächst eine Art inneres
Exil, das im Verlauf der folgenden Jahre zur zweiten Heimat wurde. Seine
Verbindungen zu den hier lebenden Menschen waren vielfältig. Politisch
stand er während dieser Jahre bei der nationalsozialistischen Diktatur
unter Beobachtung. Beweis dafür war seine zeitweilige Ausweisung aus
dem Regierungsbezirk Köln (1935/36) und seine erneute Gefangennahme
im Anschluss an die Widerstandsaktion des 20. Juli 1944.Mit seiner Wiedereinsetzung
zum Oberbürgermeister von Köln im Mai 1945 durch die Amerikaner konnte
Adenauer erneut ein politisches Amt ausüben. Der Aufstieg zum Parteivorsitzenden
und Bundeskanzler (1945 - 1949) folgten. Nach seiner Entlassung als
Oberbürgermeister von Köln durch die britische Militärregierung am 6.
Oktober 1945 und der Aufhebung des gleichzeitig verfügten Verbots politischer
Betätigung macht Adenauer eine Blitzkarriere: 1946 wurde er Vorsitzender
der CDU des Rheinlandes und der britischen Zone, Mitglied des Hamburger
Zonenbeirats und Fraktionsvorsitzender im Landtag von Nordrhein-Westfalen.
Am 1. September 1948 wählte ihn der Parlamentarische Rat in Bonn zu
seinem Präsidenten.